Estepona (2)
Gab es in den vergangenen Tagen hier in Andalusien irgendwann gefen Mittag immer den verlässlicheen Wechsel von Grau zu Blau, so blieb es heute beim Grau. Sonnenstunden: Nada. Wäre dieser Tag ein Diät-Eis, dann ein Solero-Zero.
Und so macht jeder das Beste aus diesem trüben Tag.
Oscar beispielsweise hatte zuletzt trainiert, sämtliche 94 Provinzen Österreichs auf einer Karte zu finden. So weit, so gut. Im weiteren Verlauf des Urlaubs, und hier werden Mediziner langsam hellhörig, hatte er sein Provinzen-Wissen noch um die 33 Provinzen der Dominikanischen Republik erweitert und nun beschäftigt er sich mit den 88 Provinzen der Philippinen. Desweiteren simuliert er Fußball-Weltmeisterschaften und schreit aus der dritten Etage mit Blick aufs Meer glücklich so Dinge wie "Norwegen gegen Serbien" zu uns herunter. Das Kind ist glücklich.
Mama dagegen war völlig anders drauf: "Ich geh jetzt nach Estepona", sprach sie und verschwand.
Später erreichten uns Hilfeschreie per WhatsApp. Man sei in einen Bus gestiegen. Damit allein fängt in Deutschland wie in Spanien ja der Ärger regelmäßig an.
Mama sagte dem Fahrer wohl, sie wolle zur Estación Autobus, denn sie wollte sich den Ort unserer übermorgigen Abreise mal genauer ansehen, quasi die Abreise simulieren.
Dann aber, oh weh, fuhr der Bus vierzig Minuten lang wild durch die Gegend. Hielt bald hier, bald da, aber die Estación Autobus wurde jeweils gekonnt umfahren, einmal sogar per U-Turn mitten auf der Straße.Der Bus bog irgendwann auf die Autobahn nach Marbella ab. Dies war der Moment, an dem Mama ernsthafte Existenzsorgen entwickelte. Sie stieg aus und wartete auf den Bus in die Gegenrichtung.
Es kamen Busse, keiner hielt. Dann - nach endloser Wartezeit - hielt doch ein Bus. Es war der gleiche Busfahrer wie auf der Hinfahrt. Mama sagte ihm also wieder "Estación Autobus" und landete irgendwann tatsächlich dort.
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