Granada

Da Oscar derzeit täglich um mindestens zwei Zentimeter wächst, insbesondere an den Füßen, begann unsere Walking-Tour durch Granada bezeichnenderweise in diversen Schuhläden. Wenig später waren neue Schuhe gekauft und nochmal wenig später sahen sie aus wie schon seit mehreren Generationen getragen.
Granada ist eine Stadt, die mit vielen Gotteshäusern trumpft. Alle waren erst muslimisch und sind nun christlich. Es gibt hier entsprechend eine reizvolle Mischung aus nordafrikanischen und europäischen Einflüssen, wie wir Schawarma und Churros kauend feststellten.
Dass Granada zu den absoluten Hot-Spots Europas gehört, wurde schon in der kleinen Vorstellungsrunde der Walking-Tour deutlich. Wir kamen aus den USA, Kanada, Australien, Frankreich, Deutschland und sogar Österreich und stapften die Gassen bergauf und bergab.
Eigentlich aber ist Granada nichts anderes als das verschlafene albanische Girokastrer: Eine absurd bergige Kopfsteinpflaster-Stadt mit Burg.
Die Alhambra besuchten wir pflichtbewusst und fanden die vielen Gärten, Paläste, Höfe, Hecken, Brunnen und Verzierungen unterschiedlich lange spannend. Das Weltkulturerbe und so, das kann man schon so machen. Aber nach dem fünfzigsten Plätscherbrunnen und der dreihundertsten ganz außerordentlichen Fliese braucht jeder Normaldenkende Pommes.
Und jetzt wird's kompliziert: Restaurantbesuche laufen in Granada vollkommen anders ab als sonst in der Welt, denn zu jedem Getränk gibt es einfach so und natürlich aufs Haus erstmal Tapas, also Gerichte der Größe, die beispielsweise in Paris eine volle Mahlzeit bedeuten würden.
Zwei Bier, zwei Cola - zack: Lendenfilet auf Brot. Tapas. Gruß aus der Küche.
Heute sind wir in die angesagteste Tapas-Bar der Stadt marschiert. Dort stand entschuldigend auf der Karte, dass pro Getränk und Tisch nur drei Tapas serviert würden. Gratis verständlich.
Wir waren an Gratis-Tapas allerdings gar nicht interessiert, sondern einfach mitteleuropäisch-hungrig. 
Trotzdem: Nach dem Kundtun der Getränke-Wünsche und den ersten drei Tapas-Bestellungen verschwand der Wirt und war auch im Folgenden offensichtlich nur in der Lage, Getränke und drei Tapas als Bestellung aufnehmen zu können.
Harsch mussten wir ihn in seiner Routine stören und ihm die Zubereitung einer vierten Speise befehlen. Wir fühlten uns frend und verhielten uns unsicher in dieser Tapas-Bar. Am Ende machten wir tatsächlich alles falsch, mit der Folge, dass Ella fast nichts gegessen hat, Oscar nach einem Tapas-Sandwich plötzlich noch ein 40cm-Sandwich, und die Eltern nach sieben Tapas noch eine gemischte Platte bekamen. Es war ein kulturelles Auswärtsspiel. Ella bekam dann später noch lecker Baklava

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